Johnson im Mais #7: Arbeit oder Abenteuer

Arbeit oder Abenteuer?

In dieser Passage erzählt Uwe Johnson von Gesines Kindheitsferien auf dem Fischland im Sommer 1944. Sie verbringt die Zeit bei ihrer Tante Hilde und ihrem Onkel Alexander Paepke und erlebt eine Landschaft, in der Arbeit, Spiel und Natur kaum voneinander zu trennen sind.

Hilde schickt die Kinder mit den Bauern aufs Feld. Sie fahren auf holpernden Wagen mit, helfen beim Mähen und Garbenbinden und essen gemeinsam mit den Erwachsenen. Am Abend kommen sie erschöpft nach Hause und glauben, selbst richtig gearbeitet zu haben.

Dabei verwandeln sie die bäuerliche Umgebung zugleich in eine eigene Spielwelt: Die runden Getreidehocken werden zu indianischen Zelten. Auch das Sammeln von Blaubeeren im Mückenwald erscheint den Kindern als Arbeit. Wenn sie die Beeren abends mit Milch essen, sind sie überzeugt, von den Erträgen ihrer eigenen Hände zu leben. Johnson schildert damit sehr genau das kindliche Bedürfnis, an der Welt der Erwachsenen teilzunehmen und sich die Landschaft durch Tätigkeit anzueignen.

Hilde sorgt aufmerksam für die Kinder. Sie würde einem von ihnen sogar bis in den Mückenwald nachlaufen, wenn es seinen Sonnenhut vergessen hätte. Zugleich werden kleine Pflichten verteilt. Besonders anschaulich ist das »Dammpuken«: Der Kieseldamm um das Haus muss von Unkraut gereinigt werden. Was nüchtern betrachtet Gartenarbeit ist, erhält durch das besondere Wort und den »ehrenden Auftrag« den Charakter eines Rituals.

Der abendliche Gang zum Baden wird zum Lohn für die Arbeit. Der Weg führt durch ein hohes Feld, an Weiden und Pappeln vorbei, bis er plötzlich vor dem steilen Abgrund zum Meer endet. Die Landschaft wird nicht touristisch beschrieben, sondern aus der Erinnerung eines Kindes: durch Wege, Aufgaben, Tiere, Gerüche, Anstrengung und überraschende Ausblicke.

Zur Ferienwelt gehören auch kleine Geschichten, die in Briefen festgehalten werden: der Kettenhund auf dem Nagelschen Hof, Begegnungen auf der Dorfstraße und Besuche bei Freunden. Die Briefe bewahren das scheinbar Nebensächliche und machen daraus erzählenswerte Ereignisse. 

Der letzte Satz fasst die Passage zusammen: Ferien sind nicht einfach vorhanden – sie müssen erfunden werden. Die Kinder lernen, wie man aus alltäglichen Orten, Arbeiten und Begegnungen eine eigene Welt macht.