Johnson im Mais #3: Ein Hof als Geschenk

Jerichow, 11. März 1933 – Ein Hof für Gesine
Hier wird erzählt, wie Albert Papenbrock seiner Enkelin Gesine im März 1933 einen Bauernhof in Jerichow schenkt. Das Geschenk ist jedoch nicht nur familiäre Großzügigkeit.
Der Hof wird zum Ausgangspunkt eines Konflikts: Lisbeth möchte in Deutschland bleiben, Heinrich Cresspahl dagegen erkennt die politischen Gefahren des beginnenden Nationalsozialismus.
Im Gespräch prallen zwei Vorstellungen von Heimat und Zukunft aufeinander. Lisbeth empfindet England als fremd. Selbst die Farben der Schiffe, Briefkästen und Uniformen erscheinen ihr kalt und unbewohnbar. Mecklenburg dagegen bedeutet für sie Familie, Herkunft, Besitz und ein Zuhause für das gemeinsame Kind.
Cresspahl misstraut dieser vermeintlichen Sicherheit. Er sieht bereits die Nationalsozialisten in Regierung und Verwaltung, erkennt persönliche Verbindungen und wirtschaftliche Interessen, die Lisbeth lieber verdrängt. Für ihn stellt sich die Frage, ob man das Leben und die Zukunft eines Kindes auf die Hoffnung setzen darf, dass schon nichts geschehen werde.
Die Auseinandersetzung wird zunehmend persönlich. Lisbeth wirft ihm Stolz und Widerstand gegen jede praktische Lösung vor. Cresspahl wiederum erkennt, dass die Entscheidung längst ohne ihn vorbereitet wurde. Aus einem Gespräch über einen Hof wird ein Streit über Pflicht, Schuld, Ehe, Elternschaft und politische Verantwortung.
Besonders eindringlich ist Lisbeths Satz, Cresspahl rede, als hätten sie noch eine Wahl. Mit ihrem wiederholten »Wir« versucht sie, aus zwei unterschiedlichen Entscheidungen eine gemeinsame zu machen. Doch gerade dieses »Wir« bleibt brüchig: Die beiden teilen ein Kind und eine Ehe, aber nicht dieselbe Vorstellung davon, wo und wie sie leben können.
Am Ende erscheint auch Papenbrocks Geschenk in einem anderen Licht. Er hat darauf gesetzt, seinen Willen durchzusetzen, und das Gespräch des jungen Paares bewusst einkalkuliert. Der Hof ist deshalb zugleich Geschenk, Verlockung und Druckmittel.
