Einmal durch Johnson spazieren gehen

Was die Klützer alles können! Zum Beispiel auch »Land Art«. So nennt man Kunst, die nicht im Museum entsteht, sondern draußen in und mit der Landschaft. Das Besondere: So ein Kunstwerk verändert sich mit dem Wetter, wächst und wird irgendwann wieder verschwinden.
Und anders als viele Kunstwerke darf man es sogar betreten. Mehr noch: Man kann in diesem Uwe Johnson spazieren gehen.

Die Idee für das Porträt hatte Landwirt Arne Nölck. Wie er darauf kam und was moderne Landtechnik damit zu tun hat, hat er mir kurz erklärt:
Lieber Arne Nölck, wie kommt man auf die Idee, ein Maisfeld künstlerisch zu gestalten?
Arne Nölck: Na ja, wir hatten auf der Fläche vorher eine Blühwiese, dort aber zunehmend Probleme mit Disteln. Im Winter haben wir überlegt, was wir mit der Fläche machen könnten. Man muss dort erst etwas anderes pflanzen, bevor man wieder eine Blühwiese säen kann. Und war plötzlich die Idee zum Johnson-Porträt da. Ich dachte einfach: »Wäre doch witzig.« Landwirtschaft soll schließlich auch Spaß machen.
Und warum Uwe Johnson?
Arne Nölck: Zum einen natürlich wegen des 20-jährigen Jubiläums des Literaturhauses und weil Johnson hierher gehört – Die Fläche liegt ja ganz in der Nähe vom Thurow. Für das Motiv habe ich nach einem Bild gesucht, das man sofort erkennt. Ich bin zwar selbst kein Raucher, aber Johnson mit der Pfeife fand ich markant.
Sie haben das Motiv von der Website genommen. Und dann?
Arne Nölck: Genau. Zuerst hatten wir das Foto. Dann haben wir das Motiv als Zeichnung vorbereitet und in das Computerprogramm der Drillmaschine übertragen. Mit unserem Maislabyrinth in Boltenhagen hatten wir damit ja schon Erfahrungen gesammelt.
Wie funktioniert das genau?
Arne Nölck: Mit moderner Technik. Die Maschine weiß beim Säen genau, wo sie sich befindet, und kann an den entsprechenden Stellen die Aussaat aussetzen. Wo heute die Linien des Porträts und die Pfeife zu sehen sind, wurde kein Mais gedrillt. Ein bisschen wie Abpausen – nur mit GPS-gesteuerter Aussaat. Bei der technischen Umsetzung gab es auch Hilfe aus der landwirtschaftlichen Community.
Und Sie haben vorher niemandem verraten, was da entsteht?
Arne Nölck: Nein. Erst mal gar nichts sagen, dachte ich. Erst mal gucken, ob es überhaupt was wird! Man weiß ja vorher nicht genau, ob das Motiv am Ende tatsächlich so zu erkennen ist, wie man es sich vorgestellt hat. Aber als der Mais gewachsen ist, konnte man immer besser sehen: Ja, das funktioniert tatsächlich.
Und jetzt kann man in Uwe Johnson spazieren gehen …
Arne Nölck: Ja, das ist ja das Schöne daran: Von oben sieht man das ganze Porträt, aber unten auf dem Feld werden die ausgesparten Linien zu Wegen.
Und wie lange bleibt uns dieser Uwe Johnson erhalten?
Arne Nölck: Mindestens bis Ende September wird der Mais wohl stehen. Wenn er als Körnermais genutzt wird, möglicherweise sogar bis Ende Oktober oder November.
Wir alle haben also noch reichlich Zeit, dieses Mais-Porträt zu feiern!
Arne Nölck: Ja, genau, ich bin mal gespannt, was uns dazu noch einfällt. Ich bin für fast jede Schandtat zu haben 😉
